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Trump vs. Biden

HSG-Dozentin ordnet am Super Tuesday ein: «Viele Gegenkandidaten haben versucht, Trump zu kopieren»

Am Super Tuesday sind alle Augen nach Amerika gerichtet. Gewinnt Donald Trump die Stimmen der Staaten, wäre ihm die Nomination praktisch nicht mehr wegzunehmen. Prof. Dr. Claudia Franziska Brühwiler, ständige Dozentin für American Political an der HSG, ordnet ein.

Manuela Bruhin am 05. März 2024

Claudia Franziska Brühwiler, heute entscheiden die Wähler, wer für die Republikaner und Demokraten ins Rennen gehen soll. Weshalb ist der Super Tuesday so wichtig?

Mehr als ein Dutzend der amerikanischen Staaten halten heute ihre Vorwahlen ab. Am Super Tuesday wählen so viele Gliedstaaten auf einmal – das ist an keinem anderen Tag so. Gelingt es Donald Trump also, die Stimmen der wichtigen Vorwahlen zu holen, ist ihm die Nomination praktisch auf sicher. Übrigens halten auch die Demokraten ihre Vorwahlen ab. Dort ist aber bereits klar, dass Joe Biden nominiert ist.

Was passiert denn am heutigen Super Tuesday genau?

Die Wählerinnen und Wähler sind dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. In manchen Staaten sind nur jene wahlberechtigt, die sich für eine Partei registriert haben, in anderen auch Unabhängige. Nach dem heutigen Tag – und vielleicht einer kleinen Bedenkzeit – wird klar sein, ob die Nummer zwei bei den Republikanern, Nikki Haley, ihren Wahlkampf fortsetzt oder sie sich aus dem Rennen nehmen wird.

Kann sich Trump also bereits heute die Nominierung der Republikaner sichern?

Gewinnt er am Super Tuesday die meisten Staaten, ist damit zu rechnen, ja. Ganz formell muss natürlich der ganze Ablauf der Vorwahlen abgewartet werden. Ziemlich sicher ist, wie bereits gesagt, dass Nikki Haley sich aus dem Rennen nehmen wird, zumal ihr im Vorfeld wichtige Geldgeber verloren gegangen sind.

Wie hoch rechnen Sie die Chancen ein, dass Nikki Haley Donald Trump schlagen kann?

Das Umfrageergebnis spricht eine deutliche Sprache: Es ist ziemlich sicher, dass Trump Haley schlagen wird. Bisher konnte sie lediglich eine Vorentscheidung für sich gewinnen, und das war in Washington DC. Dort reden wir jedoch von gerade einmal 2'000 Stimmen – fast ein Dorf (lacht). Ihre Chancen sind schwindend gering.

Für viele Schweizerinnen und Schweizer war lange Zeit undenkbar, dass Donald Trump einmal Präsident werden wird. Nun könnte er den Gegenangriff nach all den Vorfällen sogar erneut gewinnen. Wie ist das möglich?

Zum einen sind die Vorwahlen entscheidend. Viele Gegenkandidaten haben versucht, Trump zu kopieren. Die Wählerinnen und Wähler fragten sich, weshalb sie eine Kopie wählen sollen, wenn sie auch das Original haben können. Die amerikanischen Vorwahlen unterstützen die Art von Kandidaten, wie Trump einer ist. Er hat eine grosse Sockelunterstützung – mit Wählerinnen und Wählern, die ihn unter allen Umständen unterstützen: oftmals im Durchschnitt etwas älter, etwas konserativer, und wirklich sehr engagiert. Viele denken, dass er es verdient hat, noch einmal antreten zu können.

Weshalb gelingt das Joe Biden weniger?

Insbesondere die Migration und die Situation an den Grenzen haben dazu geführt, dass Biden in keinem guten Licht dasteht. Zudem schätzen viele Wählerinnen und Wähler die wirtschaftliche Lage schlechter ein, als sie wirklich ist. Die Verbesserungen, die eingetreten sind, werden Joe Biden nicht angerechnet.

Gibt es einen Punkt oder ein zentrales Thema, bei welchem Biden das Vertrauen verspielt hat?

Die monatlich 200'000 illegalen Grenzübertritte sprechen wohl für sich. Die Staaten an den Grenzen machen darauf aufmerksam, und führen das Problem dem ganzen Land vor. Es sind starke Bilder, die zu sehen sind.

Was denken Sie: Wer wird das Rennen machen?

Ich habe gar kein Gefühl und bin unentschlossen, weil es einfach noch weit weg ist. Es gibt noch ganz viele Gelegenheiten, welche die Wählerinnen und Wähler daran erinnern, weshalb sie im Jahr 2020 so abgestimmt haben, wie sie es getan haben. Ich denke jedoch, dass es extrem knapp werden wird – das Ergebnis wird wohl in nur acht Staaten ausgemacht werden. Alle Augen werden auf die «Swing states» ausgerichtet sein. In diesen Staaten haben die Demokraten als auch die Republikaner gute Chancen auf einen Wahlsieg.

Es bleibt also spannend.

Auf jeden Fall (lacht). Manchmal wären sichere Verhältnisse wohl angenehmer.

(Bilder: Depositphotos/PD)

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Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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