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Elende Verhältnisse

Magere Katzen, eingesperrte Hunde: Tierelend am Ferienort. Tipps, damit die Ferien nicht zur Tragödie werden

In vielen Ländern gehört Tierleid zum Alltag und verdirbt so manchem Tierfreund den Feriengenuss. Konkrete Verhaltenstipps helfen, damit der Urlaub nicht zum Desaster wird.

Esther Geisser am 26. Juli 2024

Ferienzeit ist die schönste Zeit im Jahr. Ausspannen, abschalten, auftanken, das ist der Sinn des Urlaubes. Diese Zeit möchte man geniessen und sich nicht mit Problemen herumschlagen. Aber gerade im Urlaub wird so mancher Tierfreund mit dem Thema Tierschutz konfrontiert, denn in vielen Ländern gehört Tierelend leider zum Alltag.

An Stränden, auf Strassen, in der Hotelanlage - überall finden sich unzählige streunende Hunde und Katzen, die darauf hoffen, etwas Essbares zu finden oder ein paar Streicheleinheiten zu ergattern. Auf Märkten werden bei sengender Hitze verschiedenste Tiere feilgeboten, die oft bereits krank und abgemagert in ihren allzu kleinen Schachteln und Käfigen auf einen Besitzer hoffen. Zur Unterhaltung werden auf Strassen und in Hotels Programme mit Tieren angepriesen.

Fotos mit Elefanten, Schlangen, Vögeln und Affen, ja sogar Tigern, Ausritte am Strand, Tierwettkämpfe und andere Angebote sollen den Touristen Abwechslung und Unterhaltung bieten und ihnen das Geld aus der Tasche locken. Auch die Speisekarten lassen manchen Tierfreund leer schlucken, wenn er die vielen exotischen und zum Teil auch geschützten Tiere auf alle Arten zubereitet im Angebot sieht.

Tierleid

Die Tierschutzorganisation NetAP verzeichnet jedes Jahr unzählige Anrufe oder E-Mails von besorgten Touristen, die sich mit Elend konfrontiert sehen und händeringend Hilfe und Lösungen suchen. Besonders in den Sommermonaten treffen tägliche Hilferufe ein. Doch nicht immer kann aus der Ferne geholfen werden und zurück bleibt der Frust über eine Situation, die den Feriengenuss massiv trübt.

«Auf einige Situationen kann man sich im Vorfeld des Urlaubs vorbereiten», erklärt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation NetAP – Network for Animal Protection. Sie empfiehlt, sich Tierschutzvereine und Tierärzte an der Feriendestination bereits vor dem Urlaub herauszuschreiben, damit man in der Not direkt vor Ort Ansprechpartner hat. Des Weiteren rät sie, Beurteilungen über Hotels zu studieren und Unterkünfte zu bevorzugen, die für ihr tierfreundliches Verhalten hervorgehoben werden.

«Werden die Hunde- und Katzen kastriert und gefüttert, anstatt vergiftet, sollte das von Tierfreunden mit Buchungen belohnt werden», wünscht sich Geisser, die vor vielen Jahren selbst in der Tourismusbranche gearbeitet hatte. Lob und Kritik seien für die Hotels wichtig, entsprechend sollte man bei Bewertungen auch auf den Umgang mit Tieren eingehen, ob im positiven oder im negativen Sinne.

Tierleid

Anstatt die herrenlosen Hunde und Katzen nur zu füttern, sollte man Kontakt mit lokalen Tierschutzvereinen aufzunehmen. «Diese freuen sich über gespendetes Futter oder sogar einen Zustupf zu den Kastrationskosten. So kann das Geld ganz gezielt da eingesetzt werden, wo es am nötigsten ist», erklärt Geisser. Dies sei nachhaltiger als das wahllose Füttern auf der Strasse, das die unkontrollierte Vermehrung nur noch verstärke.

Vor dem Import von Tieren warnt Geisser eindringlich. Es sei nachvollziehbar, dass das Herz angesichts eines Tieres in Not blute, aber man müsse auch den Verstand einschalten, sonst spielt man im schlimmsten Fall mit dem Leben des Tieres, denn eine Einfuhr unterliege strengen Auflagen. Ein Nichteinhalten könne die Beschlagnahmung und Euthanasie des Tieres nach sich ziehen. Freikaufen auf Märkten kurbele zudem den Umsatz der Verursacher an und bestärke sie in ihrem tierfeindlichen Treiben.

Generell rät NetAP, auf alle Angebote zu verzichten, die mit der Nutzung von Tieren verbunden sind. Ob es ums Elefantenreiten, Kutschfahrten oder das Posieren mit Tieren geht – fast immer sei damit sehr viel Tierleid verbunden, welches man vielleicht auf den ersten Blick nicht erkennt.

Zehn wichtige Verhaltenstipps hat NetAP in einer Broschüre zusammengefasst, die kostenlos auf der Webseite von NetAP runtergeladen oder angefordert werden kann. «Touristen können vieles selbst regeln, wenn sie wissen, was zu tun ist. Es braucht aber auch die Bereitschaft, etwas Zeit und vielleicht auch Geld zu investieren», erklärt Geisser. «Manch einer erwartet von uns Wunder und denkt, wenn er den Hund am Strand in Thailand oder die Katze in der Hotelanlage auf Gran Canaria meldet, würden Tierschutzorganisationen aus der Schweiz sich umgehend darum kümmern und reagieren manchmal ungehalten, wenn man höchstens eine kurze Beratung anbieten kann.»

(Bilder: pd)

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Autor/in
Esther Geisser

Esther Geisser hat Rechtswissenschaft studiert (lic.iur.) und verschiedene Aus- und Weiterbildungen im Bereich Human Resources absolviert. Jahrelang hat sie in leitender Funktion als Personalverantwortliche in Grossbetrieben gearbeitet und Unternehmen in Fragen des Human Resources und des Arbeitsrechts beraten. Sie hat ein Diplom als Verhaltenstherapeutin für Kleintiere (I.E.T), ist Mitglied der VIETA und hat die FBA für Betreuungspersonal in Tierheimen inkl. Praktikum erfolgreich absolviert. Im Tierschutz ist sie seit frühester Kindheit aktiv. 2008 hat sie die Tierschutzorganisation NetAP - Network for Animal Protection gegründet und ist seit 2012 vollumfänglich im Tierschutz tätig. Seit Ihrer Jugendzeit schreibt sie regelmässig für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Online Magazine.

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