Das ging rasant: Seit heute werden online Unterschriften gegen eine Schliessung des Spitals Wattwil gesammelt. Federführend ist der Wattwiler Gemeindepräsident persönlich.
Während am Samstag in Wattwil unter denkbar ungünstigen Bedingungen (gemeint ist nicht das Wetter) die Eröffnung des neuen Bettentrakts am Spital Wattwil «gefeiert» wurde, arbeitete eine Gruppe bereits fleissig an einem Webauftritt. Unter www.pro-spital.ch ist dieser nun online.
Initiant der Petition ist der «Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil». Als Kontakt wird auf der Webseite dessen Präsident Alois Gunzenreiner angegeben. Der ist kein Geringerer als der Gemeindepräsident von Wattwil.
Aus den Inhalten der Webseite spricht viel Empörung. Vor allem das zeitliche Zusammenfallen zwischen Einweihung und Schliessungsideen stösst auf viel Ablehnung. Unter anderem heisst es: «Man hätte an der Einweihung also auch auf einem grossen Plakat über den Eingang des Bettentraktes schreiben können: 'Heute willkommen – morgen geschlossen.'
Damit es nicht soweit kommt, setzt man nun auf Druck aus der Bevölkerung. Wer sich gegen die mögliche Schliessung beziehungsweise Umwandlung zu einem Ambulatorium stellen möchte, kann die Petition elektronisch unterzeichnen und sich so gegen die Vorschläge des Verwaltungsrats der Spitalverbunde stellen.
Der Argumentationskatalog ist kurz und knackig. Der Fokus liegt auf der Tatsache, dass soeben 85 Millionen Franken ins Spital Wattwil investiert worden seien. Es nun zu schliessen, wäre unverantwortlich, schreiben die Initiatoren der Petition. «Eine solche Verschleuderung von Steuergeldern ist nicht akzeptierbar. Die Regierung und der Verwaltungsrat der Spitalverbunde müssen nochmals über die Bücher.»
Ebenfalls ins Feld geführt wird, dass bei Schliessungsfragen die Distanz zu anderen Spitälern ein Faktor sein müsse, Da sei man in Wattwil schlechter gestellt als andere Regionen.
Einige der weiteren Argumente könnten allerdings auch andere Spitalstandorte in die Waagschale werden. So zum Beispiel, dass die stationäre Grundversorgung und die Notfallversorgung für die Bevölkerung wichtig seien. Oder auch, dass das Spital als Unternehmen und Arbeitgeber in der Region «von grosser Bedeutung» seien.
Die Forderung der Petitionäre: Das Spital Wattwil solle als Spital mit Notfall- und stationärer medizinischer Versorgung in der Spitalstrategie verankert bleiben. Zur Deckung der Finanzierungslücke solle man «andere Massnahmen» vorsehen.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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