Kommenden Donnerstag ist Katharina Ronja Brusa in der ZDF-Serie «Lena Lorenz» zu sehen. Dass die gebürtige Ostschweizerin überhaupt einmal eine Fernsehrolle übernehmen würde, stand so nicht in ihrem Lebensplan.
New York, Australien, Hamburg oder nun Berlin: Katharina Ronja Brusa hat schon manchen Ort der Welt gelebt. Eine interessante Frage sei es, wenn man von ihr wissen möchte, wo sie sich denn so richtig zuhause fühlt. «Ich bin schon 16 mal umgezogen», antwortet die Gamserin, als sie das Telefon in Berlin erreicht, und lacht. «Ich war immer auf der Suche, ständig unterwegs. Nun, seitdem ich einen festen Partner habe, merke ich, dass mein Zuhause nicht ortsgebunden ist – es ist da, wo ich mental angekommen bin.»
Die Welt entdecken
Bereits früh merkte Katharina Ronja Brusa, dass die Ostschweiz nicht gross genug ist, um ihre Neugier zu stillen. In einem kleinen Dorf in Gams ist sie, zusammen mit ihren Geschwistern, gross geworden, besuchte unter anderem die Schule in der Stadt St.Gallen. Durch ihre zehn Jahre ältere Schwester jedoch kam sie schnell in den Genuss des Reisefiebers. «Meine Schwester entdeckte so viele spannende Orte, und ich wollte es ihr gleichtun», erinnert sich Katharina Ronja Brusa an ihre Kindheit zurück.
Erste Bühnenerfahrungen machte sie mit 13 Jahren, als sie ihre erste grosse Liebe, die Musik, entdeckte. Deshalb stand ihr Berufswunsch fest: Sie wollte auf die Bühne. Ein Wunsch jedoch, der ihr schräge Blicke seitens der aufgesuchten Berufsberaterin einbrachte. «So etwas gibt es nicht», habe sie ihr geantwortet. Zu dieser Zeit sei der Lehrstellenmangel gross gewesen, erinnert sich die Ostschweizerin zurück. «Wir hatten grossen Druck, etwas zu finden. Also begann ich in der Hotellerie eine Ausbildung, war damit aber sehr unglücklich.» Sie vermisste das Rampenlicht, ihre Musik, das Gefühl, welches sie durch sie erleben konnte.
Unerwartete Wendung
In ihrer Freizeit tanzte sie Ballett, und merkte immer mehr, wie sie mit ihrer Ausbildung nicht glücklich wurde. Die Lehre brach sie im zweiten Jahr ab, konnte jedoch direkt in ihrem Ausbildungsbetrieb in Bern weiterarbeiten als normale Angestellte. Sie arbeitete jedoch nur, um ihre Leidenschaft, das Tanzen, finanzieren zu können. Nach einer Gesangsausbildung folgte ein Aufenthalt in New York, der ihren Träumen nach einer Karriere auf der Bühne Aufschub verlieh. «Dort wurde mir klar: Wenn ich es jetzt, mit 23 Jahren, nicht versuche – wann dann?» Kurzerhand meldete sie sich für die Aufnahmeprüfung einer Musicalschule in Hamburg an, bestand, und machte erste Versuche im Bereich der Filmschauspielerei. «Es war sehr unerwartet, dass mich die Schauspielerei reizte. Bis anhin dachte ich immer, dass Musical mehr meins wäre», sagt Katharina Ronja Brusa.
(Bild: Dennis Haak)
Nach mehreren Werbeaufträgen und einem Coaching in Los Angeles warteten die ersten grösseren Jobs auf die Ostschweizerin – bis sie schliesslich von der Coronakrise ausgebremst wurde. Inzwischen hat sich die Branche erholt, bei Katharina Ronja Brusa dauerte es als Berufseinsteigerin ein wenig länger. Dann jedoch flatterten auch die ersten grossen Anfragen ins Haus.
Tatort München
Kommenden Donnerstag ist sie beispielsweise bei der ZDF-Serie «Lena Lorenz» in der Rolle der Josefine Grubinger zu sehen. Sie stand jedoch bereits für andere bekannte Produktionen, wie «Hubert ohne Staller – Der Tod tanzt aus der Reihe» oder beim «Tatort München», vor der Kamera. «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, plötzlich mit den bekannten Schauspielern, die ich als Kind im Fernsehen bewundert habe, zusammenzuarbeiten», sagt die Ostschweizerin und lacht.
Es brauche einen langen Atem, wenn man sich für die Schauspielerei entscheide. «Man fühlt sich oft alleine», sagt Katharina Ronja Brusa. Es brauche viel Hintergrundwissen, um zu verstehen, wie die Branche überhaupt funktioniere, bis man zu Castings eingeladen werde – und dann doch mit vielen Niederlagen umgehen müsse. «Irgendjemand muss dir dann mal eine erste Chance geben, damit du dich überhaupt beweisen kannst.»
Glücklichsein ist alles
Trotz allem ist sie unendlich froh, den Schritt gewagt zu haben. Eine Entscheidung, hinter der übrigens auch ihre Eltern stehen würden. Sie stamme aus einer Künstlerfamilie, und ihre Eltern hätten während ihrer ersten Ausbildung in der Hotellerie gemerkt, wie unglücklich sie gewesen sei. «Als mich mein Vater damals nach Hamburg begleitete, sagte er mir, dass einzig und alleine wichtig sei, dass ich glücklich bin. Das bedeutet mir viel.»
Aufzugeben, auch wenn die Durststrecke mal länger dauere, kommt für die Ostschweizerin nicht in Frage. Zu gerne mache sie ihren Job und «es gibt mir unendlich viel zurück.» Sie hätte nie gedacht, dass sie einmal vor der Kamera, statt auf der Bühne stehe. Doch es fühle sich richtig an. «Man darf sich nicht entmutigen lassen, sondern soll seinen Traum leben.» Gleich einige Projekte seien derzeit in der Pipeline, und «es wäre verrückt, wenn es mit dem einen oder anderen klappen würde», sagt sie und lacht. Noch darf sie jedoch nichts Näheres verraten.
Ein weiterer Wunsch hat Katharina Ronja Brusa für die Zukunft: einmal in einer Schweizer Produktion für einen Kino-Film mitspielen zu können. «Das wäre quasi zurück zu meinen Wurzeln – das würde mich schon reizen: in meiner Muttersprache spielen zu können», sagt sie. Ihre Zukunft jedoch, die sieht sie nicht mehr in der Ostschweiz. Ihre Familie lebt inzwischen verstreut in der Schweiz, dank der modernen Hilfsmittel ist man jedoch jederzeit in Verbindung. Denn, wie eingangs erwähnt: Zuhause ist manchmal kein Ort, sondern ein Gefühl.
(Hauptbild: Lovis Ostenrik)
Manuela Bruhin (*1984) ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».
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