Karin Keller-Sutter, flankiert von der St.Galler Parteispitze.
Er war die grosse Unbekannte bei der St.Galler FDP. Nun hat sich Nationalrat Walter Müller entschieden: Er wird 2019 nicht mehr kandidieren. Für die Freisinnigen könnte seine Strategie in einem Fiasko enden.
Der Rheintaler Walter Müller (*1948) sitzt seit Dezember 2003 im Nationalrat. Damit gehört der heute 70-Jährige zur älteren Garde.
Folglich wurde immer wieder über einen vorzeitigen Rücktritt des Landwirtes spekuliert. Er hätte damit den Weg für den ersten Ersatz geebnet: Walter Locher aus St.Gallen.
Doch dazu wird es nicht kommen. Walter Müller tritt nicht etwa frühzeitig zurück, sondern beendet die laufende Legislatur.
Das gab er in einem Interview mit dem «St.Galler Tagblatt» bekannt.
Er wird zudem ebenfalls mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er nur deshalb nicht vorzeitig zurückgetreten ist, weil nicht Stefan Britschgi – ebenfalls ein Landwirt – sondern Walter Locher «nachgerutscht» wäre.
Dazu äussert sich Müller «diplomatisch»: «Dazu nur so viel: Weil ich davon ausgehe, dass die FDP St.Gallen 2019 beide Sitze halten kann, sollten alle auf der Liste die Möglichkeit haben, meinen freiwerdenden Sitz zu erobern.» Er wolle, dass diejenigen, die sich engagieren und einen motivierten Wahlkampf führen, eine faire Chance hätten. Das sei garantiert, weil niemand ausser FDP-Nationalrat Marcel Dobler mit dem Bisherigen-Bonus antrete.
Was Müller dabei nicht einkalkuliert – zumindest nicht öffentlich – sind zwei Punkte.
Erstens: Die St.Galler FDP will nicht nur die zwei Sitze halten, sondern hat klar verkündet, dass ihr erklärtes Ziel der Zugewinn eines dritten Sitzes ist.
Zweitens: Bei einer Wahl von FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter in den Bundesrat wird die FDP alles daran setzen, ihren freiwerdenden Ständeratssitz aus den eigenen Reihen zu besetzen. Mit wem sie das tut, ist noch offen. Eine Option wäre allerdings sicherlich auch Marcel Dobler.
Wird also Keller-Sutter Bundesrätin und Dobler ihr Nachfolger im Ständerat, würde sich kein etablierter Bisheriger auf der Nationalratsliste der FDP vorfinden. Das könnte für die Freisinnigen in einem Fiasko enden.
Karin Keller-Sutter, flankiert von der St.Galler Parteispitze.
Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».
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