Der 10. März könnte der Tag der Frauen werden - jedenfalls, was die Auswahl angeht. Bei den St.Galler Ständeratswahlen dürfte sich CVP-Regierungsrat Benedikt Würth einer weiblichen Gegnerschaft stellen müssen. Die FDP setzt auf die Karte Frau - und die SVP muss nachziehen.
Die neue Bundesrätin Karin Keller-Sutter wird am Donnerstag, 13. Dezember gross gefeiert. Wohl noch vor diesem Termin wird die St.Galler FDP-Spitze ihre Strategie für die Ersatzwahl in den Ständerat festlegen. Und eine Woche später ruft die Partei ihre Mitglieder zur offiziellen Nomination zusammen.
Wie «Die Ostschweiz» bekannt gemacht hat, dürfte die FDP mit Susanne Vincenz-Stauffacher ins Rennen gehen. Jedenfalls ist sie bei der Parteileitung erste Wahl. Und die Mitglieder werden sich kaum quer stellen. Denn bei dieser Ausgangslage ist es schwer genug, den FDP-Sitz im Ständerat zu halten.
Eine Neo-Kantonsrätin mit Ambitionen auf mehr zu lancieren, verschafft immerhin die Gelegenheit, eine Art vorgezogenen Wahlkampf für die Nationalratswahlen im Herbst 2019 zu führen. Dort wird die Rechtsanwältin aus Gaiserwald voraussichtlich auf der Liste stehen.
Denn innerhalb der Bevölkerung - und auch in grossen Teilen der FDP - ist die Meinung verbreitet, dass das St.Galler Ständeratsgespann nicht mit zwei Männern besetzt sein sollte. Zumal es darum geht, Karin Keller-Sutter zu ersetzen.
Die SVP wird bei der Ersatzwahl am 10. März 2019 mit dabei sein wollen. Und angesichts der wahrscheinlichen Kandidatur von Susanne Vincenz-Stauffacher wäre es ein geschickter Schachzug, ihrerseits mit einer Frau anzutreten. Vor allem, weil potenzielle Männerkandidaturen auch bei der SVP dünn gesät sind. Regierungsrat Stefan Kölliker wird sich kaum auf ein Kräftemessen mit seinem Amtskollegen einlassen - er kann dabei nur verlieren.
Bei der SVP gibt es im Grunde - wenn man von einer Frau ausgeht - nur eine realistische Option: Esther Friedli, die Parteisekretärin.
Mit einer vielbeachteten - wenn auch erfolglosen - Regierungskandidatur hat Friedli, die Lebenspartnerin von Toni Brunner, ihren Namen kantonsweit bekannter gemacht. Die einzige Nationalrätin der St.Galler SVP, Barbara Keller-Inhelder aus Rapperswil-Jona, hat trotz ihres Amtes zumindest auf der anderen Seite des Ricken eine schmalere Basis.
Die Grünen liebäugeln ebenfalls mit einer Kandidatur, die aber wohl aussichtslos und nur dem Prestige geschuldet wäre. Und bei ihnen würde mit Sicherheit eine Frau nominiert, eine Männerkandidatur kann sich die geschlechtersensible Partei bei dieser Ausgangslage nicht leisten.
Im besten Fall stellt sich Benedikt Würth also am 10. März drei Gegnerinnen. Das wäre in dieser Form wohl auch eine Premiere.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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