Am 10. März 2019 wählt das St.Galler Stimmvolk eine neue Vertretung im Ständerat. Die FDP nominiert ihre Kandidatur am 20. Dezember. Die Gerüchte verdichten sich, dass die Parteispitze die Kantonsrätin Susanne Vincenz-Stauffacher aus Abtwil ins Rennen schicken will.
Die St.Galler FDP will nach der Wahl von Karin Keller-Sutter in den Bundesrat ihren Sitz im Ständerat halten. Die CVP schickt aber mit Regierungsrat Benedikt Würth ein politisches Schwergewicht in die Wahl. Seine Nomination am 15. Dezember ist so gut wie sicher.
Das setzt die Freisinnigen unter Zugzwang. Sie verfügen über wenig Personal, das Würth punkto kantonsweiter Bekanntheit das Wasser reichen kann. Der FDP-Nationalrat Marcel Dobler hat zwar ein loses Interesse am Amt signalisiert, aber mehr nicht. Und die FDP-Regierungsräte stehen nicht zur Verfügung.
Damit muss die FDP auf eine andere Lösung setzen. Und die heisst aller Voraussicht nach Susanne Vincenz-Stauffacher. Das ist aus dem Umfeld der Freisinnigen zu vernehmen. Demnach will die Parteispitze die Rechtsanwältin aus Abtwil in der Gemeinde Gaiserwald in den Wahlkampf schicken - und diese sei bereit zur Kandidatur.
Susanne Vincenz-Stauffacher ist erst vor drei Monaten in den Kantonsrat nachgerutscht. Zuvor hatte sie vergeblich versucht, das Präsidium der St.Galler FDP zu ergattern, das in einer Kampfwahl an Raphael Frei ging.
Vincenz-Stauffacher ist von der Regionalpartei St.Gallen zuhanden der Kantonalpartei als Kandidatin für den Nationalrat im Herbst 2019 vorgeschlagen. Sie nun in den Ständeratswahlkampf zu schicken, könnte sich aus zwei Gründen als geschickter Schachzug erweisen.
Zum einen gibt es durchaus den Ruf aus einigen Kreisen der Bevölkerung, dass auf Karin Keller-Sutter wieder eine Frau in den Ständerat folgen soll. Die FDP könnte diese Karte am 10. März mit voller Kraft spielen.
Und zum anderen hätte Susanne Vincenz-Stauffacher selbst bei einer Niederlage im Rennen um den Ständeratssitz eine viel bessere Ausgangslage bei den folgenden Nationalratswahlen. Denn die Ausmarchung gegen Benedikt Würth - und vielleicht einen Kandidaten der SVP - würde sie innerhalb weniger Wochen kantonsweit bekannt machen. Eine Qualität, die sie derzeit noch nicht hat. Ihr selbst nützt die Kandidatur damit in jedem Fall.
Die Parteileitung der FDP wird ihren Mitgliedern am 20. Dezember im Hofkeller wohl nur eine einzelne Kandidatur vorschlagen. Und die wird mit grosser Wahrscheinlichkeit Susanne Vincenz-Stauffacher heissen.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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