Der parteiunabhängige Andreas Graf ist der sechste Kandidat bei der St.Galler Wahl in den Ständerat. Und er ist kein Juxkandidat.
Andreas Graf von den «Parteifreien» hat seine Kandidat für den Ständerat bekanntgegeben. Graf dürfte am 10. März 2019 kaum gewählt werden. Aber seine Chancen auf ein gutes Resultat mit Auswirkungen auf die restlichen Ergebnisse sind sehr gut.
Das zeigt die Vergangenheit deutlich.
28. Februar 2016: Der erste Wahlgang der Gesamterneuerungswahlen der Regierung imKanton St.Gallen. Die fünf Bisherigen und der neue CVP-Kandidat Bruno Damann marschieren durch. Die anderen Kandidaten verpassen das absolute Mehr, Marc Mächler (FDP) nur sehr knapp.
Chancenlos bleibt Herbert Huser, der für die SVP in die Regierung ziehen soll. Gegen ihn war zuvor eine massive Kampagne gelaufen. Er bleibt unter 50'000 Stimmen bei einem absoluten Mehr von fast 80'000. Die SVP wird ihn deshalb für den zweiten Wahlgang gegen Esther Friedli austauschen.
Doch es ist ein anderes Resultat, das aufhorchen lässt. Der ehemalige Grüne Andreas Graf aus Steinach, der nun für die Gruppierung der «Parteifreien» antritt, holt mehr als 54'000 Stimmen, rund drei Prozent mehr als Huser. Dieser ist zu diesem Zeitpunkt seit vielen Jahren in der Politik, ein lautstarker SVP-Vertreter im Kantonsrat und Präsident der Kantonalpartei.
Punkto Bekanntheitsgrad kann Andreas Graf mit Herbert Huser kaum konkurrenzieren. Aber das war in diesem Fall wohl auch der Vorteil.
Im zweiten Wahlgang konnte Graf erwartungsgemäss nichts gegen die Wahl von Marc Mächler ausrichten, und auch SVP-Frau Friedli lag weit vor ihm. Aber er holte doch noch einmal beachtliche 8,8 Prozent der Stimmen - gleich viel wie BDP-Kandidat Richard Ammann, der ebenfalls in politischen Kreisen weit bekannter ist als der Ex-Grüne.
In erster Linie schaden bei den Ständeratswahlen könnte der Parteifreie wohl dem Kandidat der Grünen Patrick Ziltener. Die Grünen dürften wenig erbaut sein, dass ihr ehemaliger Co-Präsident antritt. Aber auch im gemässigten bürgerlichen Lager mit FDP und CVP ist Graf, der die Grünen bei seinem Austritt für «zu links» befunden hatte, für einige Stimmen gut.
Auch wenn der nächste Ständerat kaum Andreas Graf heisst: Die Wahlkurven beeinflussen dürfte er, wenn er den Erfolg von 2016 wiederholt.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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