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«Schnarch» bei den Eidgenossen

Warum Bundesratswahlen so langweilig sind wie der Farbe beim Trocknen zuzuschauen

Knabbert irgendwo irgendjemand an den Fingernägeln vor Spannung, ob Karin Sutter-Keller nun Bundesrätin wird oder nicht? Wird sie sich mit ihrem Konkurrenten Hans Wicki eine Schlammschlacht liefern? Die Antwort auf diese und andere Fragen lautet: Nein.

«Die Ostschweiz» Archiv am 18. Oktober 2018

Werden beide teure Wahlkampagnen lancieren, sich die Unterstützung von Spin Doctors erkaufen, die mit Wordings, Nasty Questions und Assoziationsfeldern von zu besetzenden Keywords alle Register moderner Kommunikation ziehen?

Werden bezahlte Schreiberlinge in die Schlacht geworfen, die negative Ereignisse aus der Vergangenheit des Konkurrenten in den Medien breittreten?

Die eidgenössische Antwort auf alle diese Fragen ist ein klares Nein. Und das ist gut so. Die aufregendste Frage bei den anstehenden Bundesratswahlen ist, ob das zukünftige Regierungsmitglied die Jacke von rechts nach links oder von links nach rechts zuknöpft.

Also weiblich oder männlich ist. Beziehungsweise, ob eine Kandidatin bereits via Geschlecht im Vorteil gegenüber einem Kandidaten ist oder das bereits Sexismus, beziehungsweise eine Diskriminierung des Trägers eines Gemächts wäre.

Man kann also mit Fug und recht sagen, dass die Schweiz wohl das glücklichste demokratische Land der Welt ist. Denn der Zustand des Glücks ist der einzige, der nicht nach Veränderung ruft. Abgesehen von der Geschlechterfrage muss ein Bundesrat (ja, auch eine Bundesrätin, aber dürfen wir einfach den übergeordneten geschlechtsneutralen Begriff verwenden, danke schön) das Kriterium erfüllen, nicht deutlich über das Mittelmass zu ragen.

Eine gewisse Dominanz, Übergrösse oder Wirkungskraft wurde in der Vergangenheit schon einigen Kandidaten zum Verhängnis, ein Bundesrat wurde sogar im Wesentlichen aus dem Grund abgewählt, weil er politisch zu raumfüllend war. Das kann man den aktuellen Kandidaten nicht vorwerfen

Dennoch wird eine Unzahl von Buchstaben und gesprochenen Wörtern darauf verendet, alle Eventualitäten, alle Chancen der Kandidaten (und –innen, aber das hatten wir schon) zu beäugen, zu besprechen, zu analysieren. Während sich der höfliche Empfänger die Hand vor den Mund beim Gähnen hält.

Ist das alles wirklich gut? Im nahen Ausland, von den USA ganz zu schweigen, geht es doch ganz anders zu und her, wenn eine neue Regierung gewählt werden soll. Da wird monatelang verhandelt und gefeilscht – siehe Deutschland.

Da raufen sich zwei Parteien zusammen, die eigentlich völlig entgegengesetzte Positionen vertreten – siehe Italien. Da marschiert ein Newcomer durch und ins Präsidentenpalais – siehe Frankreich. Und da wird ein politischer Neuling mit sehr künstlicher Gesichtsfarbe und abenteuerlicher Frisur Präsident – siehe USA.

Und auch bei den Eidgenossen ist es ja so, dass vor der Wahl in den Nächten der langen Messer Koalitionen geschmiedet und Intrigen gesponnen werden. Es ist auch so, dass sich heutzutage Kandidaten der Dienste von Kommunikationsberatern versichern. Und es ist so, dass die Vergangenheit durchleuchtet wird, um einen weiteren Fall Zuppiger, einen weiteren Fall Maudet nach Möglichkeit zu verhindern.

Aber wer auch immer am Schluss dann vor der vereinigten Bundesversammlung die Hand zum Schwur hebt: Die wichtigste Botschaft eidgenössischer Wahlen ist, dass zwar nicht jeder Bundesrat werden kann, aber eigentlich jeder, der sich im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte sowie eines Schweizerpasses befindet, das Amts des Bundesrats ausüben könnte. Besser oder schlechter, am besten aber im Mittelmass zwischen ausgezeichnet und ganz schlecht. Das reicht.

Hält man sich das vor Augen, unterdrückt man schnell den Gähnreflex und hat wieder einmal Grund, die Schweiz als die Insel der Glücklichen, in Europa und in der Welt, zu bewundern.

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