Das Rheintal hat zwei Ständeratskandidaten. Neben Mike Egger (SVP) nun auch den parteilosen Alex Pfister aus Widnau. Wer ist der Mann - und was will er?
Das Timing ist - ob bewusst oder unbewusst - ziemlich speziell. Als die St.Galler Staatskanzlei die komplette Liste der Ständeratskandidaturen bekannt gab, tauchte darauf ein neuer Name auf: Alex Pfister aus Widnau. Der grosse Unbekannte löste bei den Medien verständlicherweise die meisten Fragen aus. Aber bei der Generalagentur der Versicherung, die er führt, hiess es, er sei die ganze Woche abwesend. Und per Handy war Pfister zunächst ebenfalls nicht zu erreichen. Die meisten Amtsanwärter sind begierig darauf, sich den Medien zu präsentieren, Pfister offenbar nicht.
Aber einiges ist doch über ihn zu erfahren. Und zwar auf seiner Webseite. Die hat der Widnauer übrigens am 12. Januar 2019 reserviert, also einen Tag nach der Einreichefrist der Kandidatur. Das sieht nicht nach einer von langen Hand vorbereiteten Aktion aus. Denn mit jedem Tag, den man zuwartet, wächst die Gefahr, dass eine Domain besetzt ist, vor allem bei einem nicht sehr ungewöhnlichen Namen. Also doch kurz entschlossen in den Ständeratswahlkampf?
Politisch ist Pfister schwer einzuordnen. Er war einst dabei, als die BDP im Kanton St.Gallen gegründet worden und war dort sogar als Co-Vizepräsident tätig. Wobei natürlich bei einer Neugründung einer Kleinpartei die Ämter nicht gleich zu gewichten sind wie bei traditionsreichen Volksparteien. Nach einigen Jahren kehrte er der BDP den Rücken, weil diese laut ihm funktioniert habe «wie andere Parteien». Als Parteiloser sei er frei von Interessenkonflikten gegenüber den Wählern.
Spannend wird es bei seinen Standpunkten. Das Steckenpferd - beruflich bedingt wohl - ist die Altersvorsorge, sie figuriert zuoberst bei den Themen. Wie die meisten anderen politisch Tätigen skizziert Alex Pfister die beunruhigende Situation der Altersvorsorge in der Schweiz. Zwar behauptet er nicht, ein Patentrezept zu haben, aber er regt an, über die eigenen Grenzen hinaus zu schauen und allenfalls funktionierende Systeme aus dem Ausland zu adaptieren. Als Inspiration nennt er Singapur.
Im Bereich Migration - und hier verlässt Pfister dann die bürgerlichen Pfade eher - spricht er sich für eine verstärkte Integration aus. Die Zuwanderung sei eine Tatsache, nun gehe es um den richtigen Umgang damit.
In der Europapolitik gehöre er weder zu den Befürwortern eines zeitnahen Beitritts noch zu den Abschottern. Die Bilateralen Verträge seien «unter allen Umständen» aufrechtzuerhalten. Mit diesem Punkt dürfte sich der Rheintaler bei vielen rechts der Mitte unbeliebt machen.
Bürokratieabbau ist ein weiterer Punkt auf der Liste des Ständeratskandidaten. Hier ist er betont wirtschaftsfreundlich und KMU-nah, das wohl ebenfalls aus eigenen beruflichen Erfahrungen.
Alles in allem präsentiert sich der bis dato wohl am wenigsten bekannte Kandidat als wilden Mix mit seinen Standpunkten. Das ist nur konsequent, denn würde er eine Linie verfolgen, die genau derjenigen einer bestimmten Partei entspricht, wäre er vermutlich für diese aktiv. Es ist das Vorrecht von Parteilosen, auf keine Programme Rücksicht nehmen zu müssen.
Zugleich wächst damit natürlich die Gefahr, mit den einzelnen Punkten jeweils eine bestimmte politische Richtung vor den Kopf zu stossen.
Was kann der parteilose Quereinsteiger am 10. März 2019 reissen? Über das Rheintal hinaus vermutlich wenig. In anderen Regionen des Kantons ist er zumindest politisch weitgehend unbekannt, und sein Profil lockt auch kaum Protestwähler an. Diese dürften eher beim Parteifreien Andreas Graf oder der parteilosen Sarah Bösch landen.
Der Ehrgeiz zu kandidieren hat vermutlich andere Gründe als einen möglichen Wahlerfolg; so realistisch wird Pfister sein. Allerdings möchte er offensichtlich durchaus in Erscheinung treten bis zum Wahltag. Jedenfalls gibt er seine Kontonummer an für Spenden, die ihm helfen sollen, den Wahlkampf zu finanzieren.
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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