Noah Menzi, Präsident der Jungfreisinnigen St.Gallen.
Die St.Galler Jungfreisinnigen wollen die Spitalfrage ohne Tabus angehen. Den Widerstand aus der Region Wattwil hält ihr Präsident Noah Menzi für verfrüht. Pikant: Er ist selbst Toggenburger und arbeitet in Wattwil.
«Nicht jedem Tälchen sein Spitälchen»: Diesen knackigen Titel setzen die Jungfreisinnigen St.Gallen über ihre Medienmitteilung zur Situation der St.Galler Spitäler. Sie stellen sich grundsätzlich hinter die Vorschläge des Verwaltungsrats der Spitalverbunde, welcher die Zahl der Spitäler mit einem stationären Angebot von neun auf vier reduzieren will.
Die Jungfreisinnigen stellen aber auch gleich klar, dass diese Variante für sie nur ein Minimum darstellt. Für ihren Kantonalpräsidenten Noah Menzi steht fest, dass man langfristig grösser denken müsse. «Das Spital Herisau beispielsweise liegt in nächster Nähe zum Kantonsspital St.Gallen, so gesehen müssten wir anfangen, die Spitalfrage mit Blick auf die ganze Ostschweiz anzugehen.»
Mindestens eine Reduktion um fünf stationäre Häuser wie vom Spitalverbund vorgeschlagen, vielleicht sogar noch mehr: Diese Haltung wirft die Frage auf, welche Spitäler denn für den Jungfreisinnigen umgewandelt - oder allenfalls geschlossen - werden müssten. Das könne man nicht ohne seriöse Abklärung sagen, so Menzi. «Was jetzt bereits passiert, ist deshalb bedauerlich: Einzelne Regionen formieren schon ihren Widerstand, bevor überhaupt alle Fragen geklärt sind.»
Für ihn sei klar, dass es auf keinen Fall weitergehen könne wie bis jetzt. Menzi: «Die finanzielle Lage der Spitäler ist desolat, und wir haben gar nicht den finanziellen Spielraum, um das so fortzusetzen.»
Noah Menzi, Präsident der Jungfreisinnigen St.Gallen.
Dass es das Spital Wattwil treffen könnte, ist auch dem Kantonalpräsidenten der Jungfreisinnigen klar. Und er ist selbst ein Toggenburger. Seine Eltern betreiben sogar ein Gewerbe in Wattwil. Eine spezielle Ausgangslage, wie Menzi bestätigt. «Wenn ich bei den nächsten Wahlen möglichst viele Stimmen machen wollte, müsste ich jetzt die Petition für das Spital Wattwil unterschreiben.» Er habe aber mit seinem Amt eine andere Aufgabe, «ich muss das Ganze kantonsweit betrachten, und ich bin sicher, es ist auch im Interesse der Regionen, wenn die Spitalversorgung in ganz St.Gallen auf guten Beinen steht.»
Auf den schnellen politischen Erfolg mit einer populären Haltung in der Region verzichte er gern, so Noah Menzi. Mittel- und langfristig sei der Einsatz für eine finanzierbare Gesundheitsversorgung wichtiger «und wohl auch für Wattwil wertvoller.»
Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.
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